Fallgeschichten

David

David David ist ein knapp vierjähriger Cocker Spaniel. Seine Besitzer hatten ihn mit ca. 10 Wochen von einem Markt in Spanien mitgebracht. Seinem Verhalten nach zu urteilen hatte er während der Prägungsphase nicht viele Umweltreize kennengelernt und außerdem negative Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Auch hier in Deutschland gab es, ohne das die Besitzer etwas dafür konnten, einige negative und traumatische Erfahrungen für ihn, die das Verhalten von David gegenüber seiner Umwelt erheblich beeinflußt haben.

Die Familie meldete sich bei mir, da ein Spaziergang mit David purer Streß bedeutete. Er verhielt sich aggressiv gegenüber Menschen und anderen Hunden und ließ sich durch nichts davon abhalten. Außerdem steigerte er sich, sobald er im Freien war, in ein ständig andauerndes Bellen hinein, war sehr nervös und hektisch und die meiste Zeit für irgendeine Art der Kommunikation von seiten der Besitzer überhaupt nicht empfänglich. Zudem zog er furchtbar an der Leine.

Wir begannen das Training damit, dass die Besitzer jedes mal, wenn David zu bellen begann oder aggressiv wurde mit einem scharfen „nein“ korrigiert wurde.
Als Unterstützung dieses Abbruch-Kommandos wurde als akustischer Reiz eine Schütteldose eingesetzt. Ganz wichtig bei einem solchen Training ist das richtige Timing und der richtige Einsatz der Stimme bei Korrektur und Lob. David sprach anfangs sehr gut darauf an. Schwierig wurde es nur, weil der Hund tagsüber bei einer „Tagesmutter“ untergebracht war und diese aus verschiedenen Gründen das Training nicht richtig durchziehen konnte. Der Einsatz von Disc Scheiben scheiterte aus denselben Gründen. Wir setzten dann zur Korrektur ein Wasser-Sprühhalsband ein. Begleitend machten wir von Anfang an ein Halti-Training und eine Bachblütentherapie. Die Besitzer fanden in der Zwischenzeit auch eine andere Lösung als die „Tagesmutter“ und wurden selbst sicherer in ihrem Verhalten und in ihrem Umgang mit David. Ganz wichtig für David war viel positive Bestärkung. Er mußte lernen, dass nicht alle Menschen und Hunde „Feinde“ für ihn waren und das er seinen Besitzern als Rudelführer vertrauen und sich an ihnen orientieren konnnte. So gelang es nach und nach seine Angst-Aggression abzubauen. Selbst die Trainingsstunden an einer belebten Einkaufsstraße meisterte er nach einer Weile mit Bravour.
David kam auch innerlich mehr zur Ruhe und sein Dauerbellen beim Spaziergang gehört der Vergangenheit an. Um sein Verhalten noch mehr zu festigen und um ihm die Gelegenheit zu geben, engeren positiven Kontakt mit fremden Personen und anderen Hunden aufzunehmen, nimmt David jetzt mit seinen Besitzern an einem Gruppenkurs teil.

Hexe

Hexe

Hexe ist eine dreijährige Mittelschnauzer-Hündin. Sie kam mit ca. 13 Wochen zu ihrer jetzigen Besitzerin und hatte bis dahin schon einen Leidensweg hinter sich. Hexe kam in Tschechien bei einem Massenzüchter auf die Welt, wurde mit 6 Wochen von der Mutter getrennt und kam nach Deutschland. Sie war innerhalb weniger Wochen in sage und schreibe 4 Familien !! und wurde immer wieder weitergegeben. In der letzten Familie war der Mann fast täglich betrunken und hatte seine Aggressionen an der Familie und den Hunden ( neben Hexe gab es noch einen Schäferhund) ausgelassen. Hexe wurde getreten und geschlagen und bekam kaum zu Fressen. Außerdem wurde sie vom Schäferhund der Familie mehrmals gebissen. Die jetzige Besitzerin kaufte sie aus Mitleid von dort weg und hat ihr damit vielleicht das Leben gerettet oder ihr zumindest viel Leid erspart. Hexe war ziemlich abgemagert und hatte furchtbare Angst vor Menschen, besonders vor Kindern ( in der Familie gab es auch zwei Kinder), vor großen Hunden und vor der Hand. Außerdem war sie überhaupt nicht stubenrein. Die Besitzerin versuchte mit viel Geduld Hexe das Vertrauen in die Menschen zurückzugeben. Sie faßte auch ganz langsam Vertrauen zu dem ersten Menschen, der es gut mit ihr meinte und in der Wohnung entspannte sich die ganze Situation langsam. Anders sah es jedoch draußen aus.

Hexe war extrem angst-aggressiv auf alles was ihr draußen begegnete. Vor allem Kinder waren der Horror für sie. Sie schoß bellend auf den vermeintlichen „Feind“ los und ließ sich durch nichts beruhigen. Zweimal hatte sie auch schon geschnappt. Die Besitzerin wurde von Passanten und Nachbarn beschimpft und jeder Spaziergang wurde zum Spießrutenlauf. In dieser Situation meldete sie sich bei mir.

Wir begannen mit Hexe ein Verhaltenstraining und suchten gezielt Situationen, in denen Hexe aggressiv reagierte. Ab sofort wurde jegliche Aggression von ihr konsequent mit einem Abbruchkommando unterbunden. In der ersten Zeit mußten wir zusätzlich eine Wasserspritze bzw. eine Schepperdose als Ergänzung einsetzen, damit Hexe überhaupt
reagierte. Jedes richtige und erwünschte Verhalten von ihr wurde sofort belohnt. Es dauerte nicht lange und die ersten Erfolge stellten sich ein. Also konnten wir einen Schritt weiter gehen. Wir setzen uns ganz in die Nähe eines Kinderspielplatzes und für ihr richtiges Verhalten wurde Hexe positiv bestärkt und belohnt, für falsches Verhalten konsequent korrigiert. Es gelang uns mit der Zeit, dass Hexe Kinder zumindest aus einiger Entfernung wieder mit etwas Positivem verknüpfte. So ging es Schritt für Schritt weiter. Wir nahmen den Nachbarsjungen mit auf unsere Spaziergänge und Hexe war ohne jegliche Aggression, ließ sich streicheln und nahm Leckerle von ihm an. Das war ein riesen Schritt für sie und für uns !! Die Besitzerin mußte auch selbst viel lernen und an sich arbeiten, um Hexe die Sicherheit geben zu können, die sie braucht. Wir machten ein Grundgehorsamstraining und schließlich nahmen Frauchen und Hund sogar an einen Gruppenkurs teil. Die ganze Verhaltenstherapie wurde zusätzlich unterstützt durch eine Bachblütentherapie.

Hexe machte immer weiter Fortschritte. Sie ist in der Gruppe und beim Hundetreff mit anderen Hunden gelaufen, spielt und läßt sich ohne Probleme von den Besitzern der anderen Hunde streicheln. Sie ist zwar immer noch ziemlich bellfreudig aber läßt sich schnell unter Kontrolle bringen. Leider ist Hexe vor einigen Monaten an Myastenia gravis
(einer schweren Muskelschwäche) erkrankt, muß starke Medikamente nehmen und kann an manchen Tagen kaum laufen. Aber es gibt Gott sei Dank auch viele bessere Tage und Hexe und ihr Frauchen können ihr neues Glück genießen. Die beiden kommen weiterhin, sofern es Hexes Zustand erlaubt, zum Hundetreff. Vor kurzem hat mir die
Besitzerin begeistert erzählt, dass sie mit Hexe über den Maimarkt gelaufen sei. Mitten durch ein Getümmel von Menschen, Kindern, anderen Hunden u.v.m. und dass sie sich immer öfters traut, Hexe frei laufen zu lassen. Beide Situationen wären vor Beginn der Therapie undenkbar gewesen. Hexe und ihr Frauchen haben beide viel gelernt und sie werden ihren Weg weitergehen.

Jupp

Jupp

Jupp ist ein 1 ½ Jahre alter Schäferhundmischling. Er wurde in einem Tierheim in Süditalien geboren und im Alter von ca. 6 Monaten von der Tierherberge Donzdorf nach Deutschland geholt. Er war bis dahin noch nie zu einem Spaziergang nach draußen gekommen und kannte einzig und allein das Gelände des Tierheimes. Die ersten zwei Tage bei seinen neuen Besitzern hatte er vor lauter Angst weder gefressen noch getrunken und vor lauter Panik nicht mal gepinkelt oder Kot abgesetzt. Er lebte sich schwer ein und faßte nur ganz langsam Vertrauen. Da er als Welpe und Junghund überhaupt keine Möglichkeit hatte Umweltreize kennenzulernen waren ihm Autos, Radfahrer, Briefkästen, Flugzeuge am Himmel, Telefonzellen, Mülleimer, Kirchenglocken usw. alles fremd und angsteinflößend. Auch vor fremden Personen, besonders vor Männern, hatte er große Angst. Er traute sich auch nicht mit seinen Besitzern oder mit anderen Hunden zu spielen. Im Haus zog er sich oft stundenlang in ein Zimmer im oberen Stockwerk zurück und ließ sich nur mit Mühe locken. Gefressen hatte er die erste Zeit nur nachts, wenn alles total ruhig war.

Wir begann mit Jupp ein Einzeltraining und begleitend eine Bachblütentherapie. Seine Besitzerin mußte lernen, auf ihr eigenes Auftreten d.h. auf ihre Stimme und ihre Körpersprache zu achten und klare Kommandos zu geben. Sie mußte in jeder Situation gelassen und souverän bleiben, um Jupp damit das Gefühl von Sicherheit zu geben und dass sie als Rudelführer alles im Griff hat. Nur so konnte Jupp langsam lernen ihr zu vertrauen und sich an ihr zu orientieren. Wichtig für ihn war auch viel Lob und positive Bestärkung während der Ausbildung und man merkte ihm richtig an, wie sehr er das genoß. Nicht zuletzt dem tollen Einsatz seiner Besitzerin war es zu verdanken, dass Jupp gute Fortschritte machte. Wir haben uns in zweiwöchigem Abstand getroffen und jedes mal war Jupp wieder einen kleinen aber wichtigen Schritt weiter. Er begann auch mit anderen Hunden zu spielen oder einfach für sich alleine über die Wiesen zu toben. Das war Hundeglück pur und es war eine Freude seine Entwicklung mitzuerleben.
Auch die neue Situation Zuhause, als der Lebensgefährte der Besitzerin ins Haus einzog, wurde gemeistert. Er ließ Jupp die Zeit, die er brauchte um von sich aus Kontakt aufzunehmen und half ihm durch die richtige Körpersprache und viel positiver Bestärkung dabei. Auch zu Personen, die er schon mehrmals gesehen hatte, nahm Jupp immer öfter ganz zaghaft Kontakt auf. Seine Besitzerin übte mit ihm konsequent alle Situationen, die ihm Angst machten, wie z.b. das Laufen an einer stark befahrenen Straße oder der Besuch bei Freunden und Jupp wurde und wird Schritt für Schritt sicherer. Zuhause zieht er sich auch nicht mehr täglich stundenlang ins Schlafzimmer zurück sondern sucht von sich aus Kontakt zur Familie. Zur Zeit besucht seine Besitzerin mit Jupp einen Gruppenkurs und den Hundetreff. Er liebt es mit den anderen Hunden zu toben und bei den Gruppenübungen zeigt er, welch erstaunliche Fortschritte er gemacht hat.